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Charlottenburg: Vornehme Dame im Berliner Westen

Die Charlottenburger tragen Kaschmir-Pullover und teure Handtaschen und in ihrer Freizeit flanieren sie am liebsten über den Ku`damm – soweit zumindest das Klischee. Ob da etwas dran ist und was Sie sonst noch über den Berliner Ortsteil wissen müssen, verraten wir Ihnen in diesem Artikel.

 

 

Inhalts­verzeichnis

Charlottenburg ist ein Ortsteil des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Er grenzt an Wilmersdorf, Halensee, Westend, Charlottenburg-Nord, Schöneberg und den Bezirk Mitte. Auf rund zehn Quadratkilometern leben etwa 130.000 Einwohner. Das macht den Ortsteil zu einem der dichter besiedelten der Hauptstadt.

Charlottenburg: Ortsteil mit glänzender Vergangenheit

Seit seiner Gründung hat Charlottenburg immer eine prominente Rolle in der Region gespielt. Es entstand um das Jahr 1700 im Umfeld des Schlosses, das damals Schloss Lietzenburg hieß. Im Kaiserreich war Charlottenburg die reichste Stadt Preußens.

In den 1920er Jahren, nachdem es nach Berlin eingemeindet wurde, wurden hier rauschende Partys gefeiert. Während der deutschen Teilung lag Charlottenburg zentral in Westberlin, die City West galt als Stadtzentrum. Vom Bahnhof Zoo aus, damals ein Fernbahnhof, konnten die Charlottenburger Städte im In- und Ausland erreichen.

Und heute? In der Hauptstadt gibt es viele Zentren, was gerade ihren Reiz ausmacht. Aus dem Bahnhof Zoo ist mit der Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs 2006 ein Regional- und S-Bahnhof geworden. Touristen zieht es zum Ku´damm und zur Gedächtniskirche, aber eben auch zur East Side Gallery und der Oberbaumbrücke.

Savoir vivre vor eleganten Altbauten

Wenn man an einem Sommerabend durch Charlottenburg spaziert, zum Beispiel durch die Straßen um den Savigny-Platz, hat man den Eindruck: Die Charlottenburger haben sich damit ganz gut arrangiert (vielleicht abgesehen vom Downgrade ihres Bahnhofs). Restaurants, Bars und Cafés haben ihre Stühle und Tische auf die Straße gestellt. Elegant gekleidete Menschen treffen sich hier in kleinen Gruppen, begrüßen sich mit Küsschen auf die Wangen und lassen es sich gut gehen. Kleine Boutiquen und Schmuckgeschäfte stehen für ihre Kunden offen. Und das alles in oder vor herrschaftlichen, gepflegten Altbauten. Hier lässt es sich gut leben.

Der Savigny Platz ist einer der Hotspots des Ortsteils, an dem das typische Charlottenburger Lebensgefühl spürbar ist. Um eine Grünanlage herum servieren gemütliche Bars und Restaurants Kaffee, Kuchen, Wein und internationale Küche. Viele der Gebäude sind, wie sollte es anders sein, Altbauten. Gleiches gilt für die Gegend nördlich des Stuttgarter Platzes: Gepflegte Altbauten in Pastellfarben säumen die Straße, Restaurants und Cafés im Erdgeschoss laden zum Verweilen und Genießen ein. Alte Bäume spenden Schatten.

Fast ganz Berlin in einer Straße

Die Kantstraße dürfte neben dem Ku´damm eine der berühmtesten Charlottenburger Straßen sein. Die 2,5 Kilometer lange Straße macht auf ihrem Weg durch Charlottenburg mehrere Wandlungen durch und wird sogar in Büchern über Stadtentwicklung erwähnt. Sie startet an der Gedächtniskirche, passiert das Theater des Westens und wird dann zur Design-Meile: Hier reihen sich gleich mehrere exklusive Läden für Interior Design aneinander. Dann schneidet sie den Savignyplatz und wird danach zur sogenannten Asiameile. Asiatische Restaurants verschiedener Länder pflastern hier die Straße. Auf der Höhe des Stuttgarter Platzes säumen russische Lebensmittelgeschäfte und weiter Läden die Straßen.

Charlottenburg, ein teures Pflaster

Je nachdem, wen man fragt, ist Charlottenburg entweder ein bisschen spießig oder eine Traumwohnlage. Ein Blick in die Statistik zeigt: In Charlottenburg wohnt es sich teuer. Die Angebotsmieten reichen im Mittel von rund 8 Euro bis 20 Euro. Berlinweit sind es 6,50 bis 17 Euro, in Friedrichshain-Kreuzberg 7 bis 19 Euro. Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen gehören zu den teuersten der Hauptstadt. Das zeigt der Wohnmarktreport von CBRE und der Kreditbank Berlin Hyp.

Der Report gibt auch einen Überblick der Kaufpreise in den Berliner Postleitzahlengebieten. In Charlottenburg gehören gleich fünf Gebiete zur höchsten Kategorie: 6.500 Euro und mehr pro Quadratmeter. Gleichzeitig zählen die Charlottenburger Eigentumswohnungen auch zu größten in Berlin: In den Gegenden um die Tauentzienstraße und die Sybelstraße herum sind die Wohnungen im Mittel rund 100 Quadratmeter groß.

Dennoch: In all diesen Bereichen liegt Charlottenburg nicht an erster Stelle. Die größten Eigentumswohnungen werden, laut CBRE und Berlin Hyp, in Steglitz-Zehlendorf bewohnt, die teuersten in Mitte. Die Miete ist in Mitte am höchsten, die Kaufkraft in Steglitz-Zehlendorf. Charlottenburg scheint es sich knapp unter der Spitze gemütlich gemacht zu haben.

Etwas reicher, etwas älter, etwas russischer

Die Einwohner von Charlottenburg haben im Schnitt ein höheres Haushaltseinkommen als die Berliner, wie Zahlen der Investitionsbank Berlin zeigen. Der Altersdurchschnitt der Charlottenburger ist ebenfalls etwas höher als der Berliner Schnitt.

Es ist auch kein Klischee, dass der Anteil russischer Einwohner und Besucher in Charlottenburg relativ hoch ist. In den 1920er Jahren war Berlin Anlaufstelle vieler russischer Künstler und Adliger, die vor der Revolution ins Ausland flüchteten. Es entstand eine große russischsprachige Community in der Hauptstadt. Viele ließen sich in Charlottenburg nieder – so viele, dass es scherzhaft Charlottengrad genannt wurde.

Stadtzentrum der Herzen

Charlottengrad ist Charlottenburg also auch derzeit noch. Einen weiteren Status hat der Ortsteil inoffiziell behalten: den des Stadtzentrums. Die City West, also die Gegend um Ku`damm, Tauentzienstraße und Breitscheidplatz, die zum Teil in Charlottenburg liegt, ist für viele Berliner immer noch das eigentliche Zentrum der Stadt. Das zeigt sich auch an der Beurteilung von Nahverkehrsverbindungen: In allen Bezirken der Hauptstadt gilt eine Verbindung als gut, wenn die City West schnell erreichbar ist. Wie sieht es mit der Verbindung aus Charlottenburg in den Rest der Stadt aus? Möchte man da überhaupt weg? Vielleicht nach Potsdam oder an den Wannsee (beides gut mit der S-Bahn zu erreichen). Auch ansonsten sind die Verbindungen gut: Ringbahn, Stadtbahn – die S-Bahn-Linie, die quer durch die Innenstadt verläuft – und die U-Bahn-Linien U2, U7 und U9 bringen ihre Fahrgästen in alle Himmelsrichtungen.

Exklusives Shopping-Paradies, altehrwürdige Theaterhäuser

Auch als exklusive Einkaufsadressen sind der Ku`damm und die Tauentzienstraße über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus bekannt. Hier haben internationale Luxus-Designer ihre Berliner Flagshipstores. Das berühmte KaDeWe, das bereits im Ortsteil Schönberg liegt, zieht Käufer exklusiver Marken und Feinkost aus der ganzen Welt an. Mit dem Bikini Berlin hat in der Nähe des Bahnhof Zoo eine Concept Shopping Mall ihre Türen geöffnet. Anders als in einem traditionellen Kaufhaus finden sich hier lauter einzelne, kleine Boutiquen. Die Mall liegt im denkmalgeschützten Gebäudekomplex Bikini Haus, das 1957 erbaut wurde.

Für den Ruf Charlottenburgs als exklusives Einkaufspflaster sorgt auch die Suarezstraße im Westen des Ortsteils. Auf dem oberen Teil der Straße von Kaiserdamm bis Kantstraße verteilen sich mehr als 30 Antiquitätengeschäfte. Das hat der Straße den Namen Berliner Antikmeile beschert.

Wer ein herkömmliches Einkaufsvergnügen sucht, dürfte in der Wilmersdorfer Straße fündig werden. Sie erstreckt sich von der Otto-Suhr-Alle südlich über die Bismarckstraße bis zur Schillerstraße. Modeläden, Drogeriemärkte, Juweliere, Optiker, Supermärkte und Gastronomie – findet sich alles, was das Shopping-Herz begehrt.

Kultur und Freizeit: Herrschaftlich genießen

Das Kulturangebot in Charlottenburg ist groß, wie in so gut wie allen Ortsteilen der Stadt. Hier werden in traditionsreichen Häuser wie der Deutschen Oper, der Schaubühne und dem Theater des Westens Theaterstücke aufgeführt und im Zoo-Palast Filme gezeigt. Etwas „modernere“, wenn auch etablierte Kultur bieten das Museum für Fotografie und das Ausstellungshaus c/o Berlin.

Im Nordwesten des Ortsteils liegt der Gründungsgrund des Ortsteils eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten: das Schloss Charlottenburg. Das herrschaftliche Barockschloss war die Sommerresidenz der späteren Königin von Preußen Sophie Charlotte. Heute ist es ein Museum. Der weitläufige Schlosspark ist die grüne Oase der Charlottenburger. Der weitläufige, im Barockstil angelegte Garten mit Wasserläufen und Blumenbeeten lädt zu entspannten Sonntagsspaziergängen ein. Das Ufer der Spree, die durch den Park hindurch fließt, bietet schöne Stellen für gemütliche Sommernachmittage. Vor dem Schloss findet im Dezember ein beliebter Weihnachtsmarkt statt, im Sommer schlägt hier ein Open Air Kino seine Liegestühle auf.

Erholung am Wasser bietet auch der Lietzensee, einer der wenigen Seen mitten der Stadt. Das kleine Gewässer liegt im Südwesten des Ortsteils unterhalb des Kaiserdamms. Der See und der dazugehörigen Park, laden zu Spaziergängen, Joggingrunden und Sonnenbädern ein. In dem Park gibt es auch ein Seniorentreffpunkt und eine sogenannten Aktivplatz mit fest integrierten Sportgeräten.

Hochschulen für Technik und Kunst

Charlottenburg ist nicht nur ein Shoppings- und Freizeitviertel. Die Technische Universität (TU) nimmt einen relativ großen Bereich des Ortsteils ein. Sie ist nach der Freien Universität und der Humboldt Universität die drittgrößte Uni Berlins. An vierter Stelle steht die Universität der Künste. Der Campus Charlottenburg ist der zentrale Standort der TU. Hier liegen die Gebäude der Fachbereiche Architektur, Chemie, Physik und Mathematik. Die TU gehört zu den 20 größten Universitäten Deutschlands. Auch die Universität der Künste hat mehrere Standorte in Charlottenburg, darunter das Jazz-Institut, die Universitätsbibliothek und das Institut für Musiktherapie.

Traditioneller Charme mit Blick auf die Zukunft

Gründerzeitbauten, etablierte Luxusmarken, Mainstream-Kultur: Der Charme Charlottenburgs ist eher traditioneller, bürgerlicher Natur. Wer junge Berliner Designer, hippe Cafés oder trendige Clubs sucht, ist mit Kreuzberg oder Neukölln besser beraten. Doch auch Charlottenburg verlässt sich nicht nur auf den Glanz vergangener Zeiten – der Ortsteil entwickelt sich weiter. Das zeigt sich unter anderem in Bauprojekten, die die Berliner Skyline verändern, wie das Upper West und das Zoofenster am Breitscheidplatz.

Wollen wir Hochhäuser und wenn ja, wo und wie viele?

Wie die weitere Entwicklung aussehen soll, dafür gibt es verschiedene Ideen. Die beteiligen Akteure scheinen sich allerdings darüber einig zu sein, dass in Charlottenburg weitere Hochhäuser entstehen sollen. Als Standorte sind unter anderem der Ku`damm, der Breitscheidplatz und der Ernst-Reuter-Platz im Gespräch. Das sind Gebiete, die sich der Charta Berlin City West 2040 zufolge für eine sogenannte vertikale Bebauung eignen würden. Experten aus unterschiedlichen Bereichen haben sie gemeinsam erarbeitet, darunter Vertreter des Bezirks, der Berliner Stadtmission, der Gedächtniskirche, Händler, Architekten, Bauunternehmer und Bürger.

Der Berliner Senat sieht das anders. Er schließt weitere Hochhäuser am Breitscheidplatz aus. Auch gegen Hochhäuser am Ku`damm hat er sich ausgesprochen. In seinem Entwicklungskonzept City West weist er die Gegenden um die Kurfürstenstraße sowie nördlich der Hardenbergstraße und der Tauentzienstraße als geeignet aus.

Mehr Platz für Radfahrer und Flaneure

Einige lokale Akteure und Initiativen wollen die Straßen Charlottenburgs lebenswerter und fußgängerfreundlicher machen. Eine Bürgerinitiative setzt sich etwa für breitere Gehwege auf der Damaschkestraße an der Grenze zu Halensee ein. Die Gehwege dort sind zwischen drei und vier Meter breit, die Fahrbahn zwölf. Die Initiative möchte die Fahrbahn auf sechs Meter verengen lassen, um auf den Gehwegen mehr Platz für Fußgänger und Außengastronomie zu schaffen. Für die Zillestraße nördlich der Bismarckstraße plant der Bezirk eine Änderung: Sie soll verkehrsberuhigt und damit ein Modellprojekt werden.

Auch für Fahrradfahrer sind in Charlottenburg Erleichterungen geplant. Unter anderem soll eine neue Fahrradstraße entstehen. Sie soll von der Bismarckstraße über den Mierendorffplatz und die Zillestraße bis zur Richard-Wagner-Straße verlaufen. So wie es aussieht, wird in Charlottenburg also künftig in die Höhe gebaut, entspannter Fahrrad gefahren und gelassener flaniert.

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